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Der letzte Mohikaner

Dieser berühmte Buchtitel der Western-Literatur wurde in Deutschland zur Redensart, die letztüberlebende Zeitzeugen oder Anhänger einer Idee bezeichnet. Ein Schicksal, das leider auch manche schriftstellerische oder filmische Werke der Wildwest-Kultur ereilt.

Der US-amerikanische Schriftsteller James Fenimore Cooper thematisierte in dem erstmals 1826 erschienenen Roman „Der letzte Mohikaner“ (zweiter Roman der Lederstrumpf-Serie) den Untergang der nordamerikanischen Indianerstämme durch vorrückende europäische Siedler. Das ist ein Beispiel für die unglaubliche Themenvielfalt, die sich vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Pionierzeit und des sogenannten Wilden Westens entwickelte. Diese Leitthemen zählen dazu:

  • Cowboys und Viehtriebe
  • Auseinandersetzungen zwischen Weißen und sogenannten Indianern
  • Union Pacific - Bau der Eisenbahnen
  • Leben auf einer (Groß-)Ranch, Cowboys, Viehzucht, Weidekrieg
  • Rache für erlittenes Unrecht
  • Custer's Last Stand - Kavallerie, Indianerkriege
  • Outlaw Story - Berühmte Gesetzlose und Verbrecher
  • Sheriff, Marshal und Town Tamer
  • Trapper und Mountain Men
  • Goldrausch

Der Western ist ein Genre, das neben Literatur vornehmlich in Filmen, TV-Serien und Comics Verbreitung gefunden hat. Weitere kulturelle Ausdrucksformen kommen hinzu, wie Western im Theater, auf Freilichtbühnen oder als Hörspiel.

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Karl May

In Bad Segeberg, Elspe, Rathen oder Bischofswerda finden seit Jahrzehnten Karl-May-Festspiele statt, bei denen viele der bekanntesten Karl-May-Geschichten über den Wilden Westen erzählt werden: Der Schatz im Silbersee, Der Ölprinz, Unter Geiern, Winnetou I-III, Old Shatterhand und viele mehr.

Wer kennt nicht die vielen Protagonisten dieser großen Geschichten? Allen voran Winnetou und sein Blutsbruder Old Shatterhand, begleitet von Sam Hawkins ("wenn ich mich nicht irre"), Tante Droll, Old Firehand, Old Surehand, Inschu-schuna, Nscho-tschi, das Halbblut Apanatschi, Ribanna, Klekih-petra und natürlich Winnetous Pferd Iltschi. Zu den Widersachern von Winnetou und seinen Gefährten gehören Cornel Brinkley, Santer, Rollins oder auch Tangua, der Häuptling der Kiowas.

Karl May, der sächsische Fantast, hatte seine packenden Romane geschrieben, ohne je in Amerika gewesen zu sein. Er kannte Indianer nur vom Hörensagen, recherchiert aber intensiv, dichtete allerlei dazu und schuf ein ganzes Wildwest-Universum.

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Winnetou-Filme mit Kultstatus

Mitte der 1960er Jahre wurden in Kroatien, damals Teil von Jugoslawien, die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand für das deutsche Publikum verfilmt. Fleißige Leser hatten sich in ihrer Fantasie ihr eigenes Bild von Winnetou und den anderen Karl May-Charaktereren ausgemalt. Mit dem Aufkommen der Karl May-Filme änderte sich das. Fortan verbanden Fans die Karl May-Figuren mit den Schauspielern und fieberten auf den nächsten Film mit ihnen hin:

Pierre Brice, Lex Barker, Mario Adorf, Götz George, Stewart Granger, Terence Hill (früher noch Mario Girotti), Uschi Glas, Karin Dor, Ralf Wolter, Eddi Arent, Chris Howland und viele mehr verkörperten die Helden, Komödianten oder Schurken in den Karl May-Filmen. Für Gänsehaut sorgte auch die unvergessene Karl May-Filmmusik, die kein Karl May-Fan bis zum Erscheinen des nächsten Filmes vergaß.


Der Wilde Westen im Osten

Für Karl May-Fans westlich des Eisernen Vorhanges wurde der Franzose Pierre Brice zu "dem" Winnetou. Im Osten wurde Gojko Mitić zum Star: Der serbisch-deutsche Schauspieler verkörperte auf Freilichtbühnen im Osten Deutschlands den Winnetou. Mitić avancierte schon vor seiner Rolle als Winnetou zum Helden vieler Jugendlicher in der ehemaligen DDR. Er spielte den indianischen Helden Tokei-ihto in der DEFA-Verfilmung von "Die Söhne der großen Bärin".

Die Leseabenteuer über "Die Söhne der großen Bärin"

Die Autorin und Historikerin Liselotte Welskopf-Henrich war im Gegensatz zu Karl May in Nordamerika, um das Leben der Ureinwohner vor Ort zu studieren. Ihre packenden und ein relativ realistisches "Indianer-Bild" zeichnenden Geschichten erschienen in sechs Bänden: 

  • Band 1: Harka (1962)
  • Band 2: Der Weg in die Verbannung (1962)
  • Band 3: Die Höhle in den schwarzen Bergen (1963)
  • Band 4: Heimkehr zu den Dakota (1951 und 1963)
  • Band 5: Der junge Häuptling (überwiegend 1951)
  • Band 6: Über den Missouri (ebenfalls überwiegend 1951)

Wie ein Freund berichtete, sind diese Bücher in der Regel wohl leider nicht mehr im Buchhandel verfügbar. Er ergatterte die sechs Bände der "Söhne der großen Bärin" in einem Antiquariat.


Die kurzweilige Lektüre für die Bahnfahrt

Wer sich mit Western-Literatur in Deutschland beschäftigt, stößt auch auf die vielen Erzählungen in "Groschenromanen". Wildwest-Geschichten erschienen auf Deutsch in Romanheftreihen nach amerikanischem Vorbild, wie Buffalo Bill, Texas Jack oder Lassiter. Überwiegend wurden diese Romane jedoch von deutschen Autoren, meist unter Pseudonymen, veröffentlicht. Gegenwärtig erscheinen Western in Deutschland fast nur noch als triviale Romanhefte.

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Der Boom der Western-Serien

Das TV-Pendant zu den erfolgreichen Geschichten in Heftromanen sind Western-Serien. Sie prägten in den 70ern häufig das Spätnachmittag- und Vorabendprogramm von ARD und ZDF am Wochenende: 

Unvergessene Wildwest-Serienhelden sind die Familie Cartwright in Bonanza, Marshal Matt Dillon mit seinem Esel reitenden Deputy Festus Haggen in Dodge City mit den "rauchenden Colts", Charles Ingalls und Familie auf "Unsere kleine Farm" mit alltäglicheren Problemen im zunehmend zivilisierten Westen, die Leute von der Shiloh Ranch, Zocker und Schlitzohr Brett Maverick und viele mehr.

In Deutschland viel beachtet war auch die "Lederstrumpf"-Serie, basierend auf den Romanen von James F. Cooper. Der deutsch-französische TV-Vierteiler wurde 1969 im ZDF erstmalig ausgestrahlt. Während viele Karl May-Filmszenen in Kroatien entstanden, wurde Rumänien in der Lederstrumpf-Fernsehserie zum Wilden Westen. Die Hauptrolle spielte Hellmut Lange, bekannt aus "Kennen Sie Kino?" Im Lederstrumpf-Kinofilm von 1957 gab hingegen Lex Barker, späterer Old Shatterhand-Darsteller, den Wildtöter.

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Gesucht – tot oder lebendig. Auch Schurken wurden zu Helden

Die Western-Geschichten beruhen teilweise auf wahren Begebenheiten oder berühmt-berüchtigten Persönlichkeiten. Oder sie sind zumindest inspiriert davon, zum Beispiel von Buffallo Bill, Billy the Kid, Pat Garett, The Sundance Kid und Butch Cassidy, Wyatt Earp, Doc Holliday, Jesse James oder Calamity Jane. Die Übergänge zwischen den Themen sind fließend. Viele Western-Legenden wurden immer wieder neu interpretiert, weitererzählt oder auch verulkt und modernisiert.

The Revenant – von Rache getrieben in der Wildnis überleben

Die vielfach und variantenreich überlieferte Legende vom Trapper Hugh Glass ließe sich sowohl den Trapper- und Mountain-Men-Stories als auch den "Rache-für-erlittenes Unrecht-Geschichten" zuordnen. Dem von einem Grizzly-Bären angefallenen, schwer verletzten und allein zurückgelassenen Trapper Hugh Glass gelingt der unglaubliche Trip durch die Rocky Mountains. Die Rache für den Verlust seines Sohnes ist für Hugh Glass die treibende Kraft.

Leonardo DiCaprio als Trapper und Revenant Hugh Glass

Der 2015 veröffentlichte Film "The Revenant – Der Rückkehrer" basiert auf dem Buch „Der Totgeglaubte – Eine wahre Geschichte“ (Originaltitel „The Revenant: A Novel of Revenge“) von Michael Punke. In der Verfilmung von Alejandro González Iñárritu verkörpert Leonardo DiCaprio den Unmenschliches überlebenden Hugh Glass. Wie viele andere Westernthemen auch, prägte das Revenant- und Rache-Motiv mehrere Filme. Das Drehbuch zum britischen Western „Ein Mann in der Wildnis“ aus dem Jahr 1971 war ebenfalls von Hugh Glass’ Geschichte inspiriert.

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Veröffentlicht am 05. Oktober 2021 von geb.1960-69.de

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