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Die Musikkassette, 1963 geboren…

… und kein bisschen leise, die Musikkassette (MC), auch Kompakt- oder Audiokassette genannt.

Die Jahrbücher 1963 erzählen, was in diesem Jahr auf der weltpolitischen Bühne geschehen ist – viel Schreckliches wie das Kennedy-Attentat, aber auch Legendäres wie das „Ich bin ein Berliner“ des US-Präsidenten und Martin Luther King’s „I have a Dream“. Wer 1963 geboren ist, weiß das aus Geschichtsbüchern oder Erzählungen.

1963 war auch das Geburtsjahr beziehungsweise Gründungsjahr der Fußball-Bundesliga.

Wissen die, die 1963 geboren wurden, auch, wer oder was in diesem Jahr noch das Licht der Welt erblickte – und Jahre später die deutsche Musik- und Soundwelt prägte?

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Ein Musikstar, der in 80er Jahren mit Dieter Bohlen Ohrwurm-Hits und die legendäre „Nora“-Halskette darbot: Thomas Anders von Modern Talking, geboren am 1. März 1963 in Mörz bei Koblenz, nicht weit vom Schrumpftal.

Noch ein Star der absolut anspruchsvollen Musik, der in Rheinland-Pfalz des Jahres 1963 geboren wurde: Horst Heinz Köhler, seit dem Schlagerboom der 1990er Jahre besser bekannt als Guildo „hat Euch lieb!“ Horn.

Die Musikkassette (MC) wurde 1963 vorgestellt

Der damals hochmoderne Tonträger wurde am 28. August 1963 erstmalig der breiten Öffentlichkeit vorgestellt: Der niederländische Elektronikriese Philips präsentiert auf der Internationalen Funkausstellung in West-Berlin die massentaugliche Kompakt- und Musikkassette. Als Erfinder galt Lou Ottens. Die MC mit ihren zwei Seiten war viel kleiner als die bis dato vorherrschenden Tonbandgeräte mit den tellergroßen Magnetbandspulen. Im Klang der Langspielplatte unterlegen, aber dafür handlich, pflegeleicht und zudem nicht nur „Read Only“ wie die LP, sondern auch bespielbar.

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Jeder, der in den Sechzigern geboren wurde, erinnert die PLAY-Taste

Wurde sie zusammen mit REC gedrückt, konnten eigene Hörspiele aufgenommen werden! Oder, wenn der Kassettenrekorder auch Radiorekorder war, die Hits oder neue Musik. Die Radiomoderatoren quatschten damals in der Regel nicht in die Songs rein, sondern sagten sie vorher sauber an. So fiel es auch bei neuer Musik leicht, die papierne Einlage der Kassettenhülle mit den Namen von Interpret und Lied zu beschriften – selbstverständlich sauber in der Reihenfolge des Abspielens nummeriert.

Ebenfalls unvergessen: das Vor- und Zurückspulen

Bei CDs, die ab den 1980er Jahren MC und LP zurückdrängten, konnten Nutzer nur zum Beginn jedes Tracks spielen. Bei der Kompaktkassette war das anders. Mit Fast Forward (>>) wurde auch das ultralange Solo innerhalb eines Songs kurzerhand übersprungen, wenn man es sich übergehört hatte. Wer ein Lied in Gänze nochmal hören wollte, musste mit der "<<"-Taste zurückspulen, STOP und PLAY drücken. War zu weit zurückgespult worden, wurde wieder ein Stückchen vorgespult. Landete man mitten im Song, galt es, wieder ein bisschen zurückzuspulen und so weiter. So musste man sich an den Beginn des Songs herantasten, was mit ein bisschen Übung erstaunlich schnell gelang.

Und wenn es einmal Bandsalat gab?

Dann wurde das Band kurzerhand mit dem Bleistift aufgewickelt. Konnten die Knoten im Magnetband nicht gelöst werden, half hingegen nur das Hinausschneiden. Das verbleibende Band der Musikkassette wurde mit einem winzigen Stück Tesa wieder zusammengeklebt und weiter ging es. Zwar fehlten dann einige Sekunden im Song. Aber die Kassette samt aufgespieltem Inhalt war gerettet.


Selten rissen die Magnetbänder der kompakten Tonträger auch

Ob Musikkassetten von BASF, TDK, Philips, Maxell oder Sony – das schien herstellerunabhängig zu sein und geschah manchmal beim schnellen Vor- und Zurückspulen. Aus der Erfahrung des Autors passierte dies besonders gern bei den hauchdünnen Bändern der 120 Minuten-Musikcassetten. Favorit für die häufige Nutzung waren 60- oder 90 Minuten-Kassetten. "30er" hingegen waren zwar preiswert, aber die Spieldauer war mit einer Viertelstunde pro Seite zu kurz.

Mit der Musikkassette war der Grundstein gelegt

Mit den handlichen und erschwinglichen Kassettenrekordern sammelten Kinder und Jugendliche ihre Musikerfahrungen, lauschten Hörspielen und Hits. Sie brauchten ihre Eltern nicht mehr fragen, ob sie auf der Anlage im Wohnzimer eine LP anhören durften, sondern wurden mit ihrem eigenen Kassettenrekorder oder Radiorekorder im Kinder- und Jugendzimmer musikalisch "unabhängig".

Zudem wurde die Musik dank der Musikkassette mobil

Das MC-Abspielgerät mit „Babyzellen“-Batterien bestückt und mit zum Treff an der Tanke oder zum Campen genommen. Der gute alte Kassettenrekorder oder Radiorekorder war der Gettoblaster der 1960-69 Geborenen. Wer 1963 geboren wurde, konnte als 16-jähriger Teenager zudem in Bus, Bahn & Co. Kassetten hören: 1979 brachte Sony den Walkman heraus.

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König war, wer einen Kassettenrekorder mit zwei Kassettenlaufwerken hatte

Sie kamen ab den 70ern auf und wurden in den 80er erschwinglich. Mit ihnen war auch das Sampeln von Disco Mix Tapes möglich. Oder die eigene, romantische Compilation mit Kuschelrock-Hits für den oder die Liebsten… Aber wehe, der eigene große Bruder klaute einem einfach eine bespielte MC, um sie mit seinem Punkrock zu überspielen. So erlebte es der Verfasser. Seine Aufnahmen von Fußballreportagen von Heribert Faßbender waren damit unwiederbringlich verloren.

Eine Sicherung auf einem zweiten Tape wäre viel zu teuer gewesen

Auch das Herausbrechen der beiden kleinen Plastik-"Nupsis" am Rücken der Kassette hätte in diesem Fall nichts genützt. Zwar konnte man damit technisch vermeiden, dass die Kassette versehentlich überspielt wurde. Aber der listige Bruder des Verfassers hätte das Fehlen der Plastikzinken einfach durch Überkleben ausgeglichen, sodass die MC wieder überspielbar war.

Heute ist die Sicherung einfacher, weil sich Musikkassetten digitalisieren lassen

Wer seine Hörspiel- oder Musikschätze auf Musikkassetten digitalisieren möchte, kann sich passende Geräte besorgen oder im Web Digitalisierungsdienste finden. Bei manchen können die Musikkassetten zum Digitalisieren auch vor Ort abgegeben werden, um sie dann zusammen mit der Datei für PC oder Smartphone wieder abzuholen.

Auch, wenn beim Digitalisieren Nebengeräusche des analogen Abspielens von damals herausgefiltert werden – der Originalklang bleibt unvergessen. Musikkassetten von damals klangen nicht nach High-End-HiFi. Aber schön war’s trotzdem.

Veröffentlicht am 03. Dezember 2021 von geb.1960-69.de

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