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Die Jugend feiern, das Alter zelebrieren,
Wünsche erfüllen!

Wohlhabend, dick und rund? Zeit für Trimm Dich!

Als die deutsche Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erstarkte, wollten die Menschen viel nachholen – auch beim Essen. Die Trimm Dich Initiative sollte dabei für Gesundheit sorgen.

Der Fleisch-, Zucker- und Fettkonsum stieg in den 50er und 60er Jahren tendenziell an. Hinzu kam, dass die fortschreitende Technisierung in vielen Berufen zur Entlastung führte – aber teils auch zu Bewegungsmangel. Vielen Menschen fehlte angesichts von langen Arbeitszeiten in Firma und Haushalt, Familiengründung (Babyboom) oder dem Hausbau zudem schlicht die Zeit und Kraft für Sport. Die Folge: Eine beträchtliche Zahl von Menschen litten in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder anderen Beschwerden. Zum Entstehen dieser Krankheiten kann Übergewichtigkeit beitragen. Das brachte Politik, Wirtschaft und den Deutschen Sportbund Ende der 1960er Jahre auf die Idee, die Deutschen für das (gesunde) Sporttreiben zu begeistern.

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1970 ging es mit der Kampagne „Trimm Dich durch Sport“ los

Laufen, Radeln, Schwimmen, Wandern, Ballsport – das Motto lautete: Hauptsache Bewegung!  Zur Olympiade in München 1972 erlebten die Sportbegeisterung und die Trimm Dich Bewegung einen Höhepunkt. Das Trimm Dich Maskottchen Trimmy, den kleinen Mann, der den Daumen strahlend in die Höhe reckt, kannte fast jeder. Er war bewusst nicht als Sportskanone und Muskelprotz gestaltet worden. Es sollten ja gerade die Normalbürger, die bisher wenig Sport trieben, angesprochen werden.  Ein Jahr nach 1974, als Deutschland Fußballweltmeister wurde, entfaltete sich die Trimm Dich Kampagne für die Ausdauersportarten: „Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“. Es folgten Kampagnen für die spielerischen Sportarten und für den 130er Puls beim Ausdauersport. Zahlreiche Trimm-Dich-Pfade entstanden. Auch dank weiterer Kampagnen in den 1980ern und 90ern erweiterten immer mehr Sportvereine ihr Angebot. Statt auf Wettkampfsport zu fokussieren, kamen mehr Breitensport- und Einsteigerangebote hinzu. Und Trimmy? Das Figürchen mit der niedlichen Retro-Optik gibt es immer noch. Sport scheint jung zu halten. Denn Trimmy sieht auch nach über 50 Jahren nahezu genauso aus wie damals. Der kleine Sportler hat beim Deutschen Olympischen Sportbund eine eigene Webseite.


Das Trimm Dich Maskottchen wirbt heute begeistert für fast jede Sportart

Auf Trimmys Internetpräsenz beim DOSB stehen über 130 Motive zur Auswahl. Ob als Wintersportler, Taucher, Golfer, Hockeycrack, als Basketballer, Handballer oder dem Fußball hinterherjagend – Sportvereine oder (auf Anfrage beim DOSB) andere Organisationen können die fröhlichen Motive verwenden. Auch als Fan oder als Olympionike, der im Sinne der Völkerverständigung deutsche oder internationale Fahren schwingt, ist Trimmy zu finden. Ebenfalls positiv: die Trimmy Motive für Paralympics-Sportarten mit dem kleinen Mann im Rollstuhl. Bei Sportveranstaltungen dienen Trimmy Piktogramme zudem mit Taxischild, Feuerlöscher- oder anderen Symbolen als Wegweiser. Trimmy fördert auch den Trend, mehr Bewegung in den eigenen Alltag zu integrieren. Das Männlein im weißen DOSB-Shirt und schwarzen Sportshorts sprintet auf einem Motiv lächelnd eine Treppe hinauf.

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Die Trimm Dich Bewegung wurde in den letzten Jahrzehnten teils von Trendsportarten und der Fitnessbewegung überstrahlt

Aber Trimm Dich hat sicher einen entscheidenden Anteil daran, dass sportliche Aktivität, Gesundheits- und Körperbewusstsein in großen Teilen der Gesellschaft angekommen ist. Noch heute sorgen Trimm Dich Aktionen in Kindergärten oder anderen Institutionen dafür, dass Menschen die Freude an der Bewegung spüren. Den „Trimm-Vater der Nation“, Sportwissenschaftler und Funktionär Jürgen Palm, hätte es gefreut. Der gebürtige Solinger, 2006 in den USA verstorben, erhielt den Spitznamen in Anlehnung an Turnvater Jahn. Palm gilt als wichtiger Mitinitiator und Förderer der deutschen Trimm Dich Bewegung.

Veröffentlicht am 22. November 2020 von geb.1960-69.

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