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Anarchohumor aus der guten alten Zeit - Väter der Klamotte

Was hat jemanden wie mich, in den1960ern geboren, nachhaltig geprägt? Das ist heute kaum vorstellbar und wird von Kabarettisten immer noch gerne erzählt.

Es waren damals für uns nur 3 (!) Fernsehprogramme (von den zwei DDR-Programmen mal abgesehen) im Angebot. Deshalb gab es Sendungen, die wohl jeder, wirklich jeder, gesehen hat. Eine der prägendsten Sendungen der siebziger Jahre war für mich „Väter der Klamotte“. Ganz eng mit dieser Sendung verbunden ist die Uhrzeit. Sie hat wohl niemand, der in dieser Zeit aufgewachsen ist, vergessen: 18:20 Uhr! Etwa eine halbe Stunde lang flimmerten schwarz-weiße Slapstick-Stummfilme, von Musik untermalt und von Hanns-Dieter Hüsch kommentiert, über die heimische Mattscheibe. 

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Väter der Klamotte – absolutes Pflichtprogramm!

Denn die Kontrolle erfolgte 12 Stunden später, wenn man auf dem Schulweg die Sketche nacherzählte und darüber stritt, welche der Episoden die beste war und warum. War es auch noch so schwierig, das Hausaufgaben-Gedicht aufzusagen – man hatte keine Schwierigkeiten ganze Abschnitte von Väter der Klamotte bis ins Detail nachzuspielen. Fast immer handelte es sich um Slapstick der 1910er und 20er Jahre.


Harold Lloyd, Stan und Ollie, Charlie Chaplin, Buster Keaton prägten den Humor

Meiner Meinung nach machten sie spätere Filme wie „Die nackte Kanone“ erst möglich. Anarchohumor und Slapstick, teils noch als Stummfilm – das war nicht nur lustig, sondern oft auch kunstvoll in Szene gesetzt. Anspruchsvolleren Humor, mit feinen Untertönen oder gar gesellschaftskritisch – den bot hingegen Loriot in dem (einen) dritten Programm. Im ZDF um 18:20 Uhr war jedoch die Devise: „Väter der Klamotte gucken, ablachen und Kopf leeren.“

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Besser konnte man sich nach den Schularbeiten kaum entspannen

Interessanterweise kam dabei niemand auf die Idee, dass die Filmchen an vielen Stellen ganz und gar nicht politisch korrekt waren. Frauen waren in den Filmen meist Hausmuttchen. Dunkelhäutige Filmfiguren wurden oft verschlagen oder tollpatschig dargestellt. Besonderen Spott traf beleibte Figuren: Auf Kosten von „Dicken“ wurde sich immer wieder kräftig lustig gemacht.

Ist das der Grund, weshalb diese Klassiker der Filmgeschichte kaum noch gezeigt werden?

Würden sie die heutige Jugend verderben? Haben sie uns verdorben? Oder haben sie sich tatsächlich einfach nur überlebt? Möglicherweise ist der Grund, das es kaum noch „Väter der Klamotte“ zu sehen gibt, viel profaner. Wahrscheinlich lohnen sich diese halbstündigen Episoden nicht, weil man dort nur eine viel zu kurze Werbeunterbrechung hineinpacken kann. Außerdem ist die schwarz-weiße Nostalgie dahin, wenn sie mittendrin vom Hochglanz-Werbefernsehen unserer Tage unterbrochen wird…

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Veröffentlicht am 01. Januar 2021 von geb.1960-69.de - Autor: Overdose

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