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Der Setzkasten, das Nippes-Sammelregal mit Industriegeschichte

Setzkästen waren in den Siebzigern und Achtzigern „in“. Oft zierten sie die Wände der ersten Wohnung.

Der Setzkasten wurde befüllt mit Reisemitbringseln, Nippes, Porzellantierchen oder Figuren aus dem Überraschungsei. Irgendwie kamen und kommen die Kästen nie ganz aus der Mode. Gerade in Wohnungen junger Leute hängen sie noch heute, gefüllt mit den unterschiedlichsten Dingen. Meist ist es liebevoll gehegter Kleinkram, der meist keinen großen materiellen Wert hat. Aber an fast jedem Gegenstand hängt eine Erinnerung.

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Woher kommen Idee und Name des Setzkastens?

Man sollte meinen, die Einteilung eines Setzkastens, bei dem die Fächer unterschiedlich groß sind, sei willkürlich gewählt. Doch weit gefehlt. Ein Setzkasten diente ursprünglich dazu, die Buchstaben zu sortieren – in der Handsetzerei einer Druckerei. Jedes Fach war für einen bestimmten Buchstaben oder ein Satzzeichen vorgesehen. Größe und Anordnung der Fächer hingen davon ab, wie häufig bestimmte Buchstaben-Typen im Satz des zu druckenden Dokumentes vorkamen. Schriftsetzer war ein ehrbarer, wichtiger Beruf. Dabei musste ein guter Setzer damals so gedankenschnell und fingerfertig sein wie ein heutiger Smartphone-Nutzer. Ein geübter Fachmann konnte bis zu 1500 Buchstaben und Satzzeichen pro Stunde setzen. Die Zeit, die der Schriftsetzer zum Sortieren der Buchstaben und Satzzeichen nach dem Druck verwendete, wurde nicht mitgerechnet. Oft erledigten Studenten diese assistierende Aufgabe und besserten ihr Taschengeld damit auf.


Mit dem Einsatz neuer Drucktechniken nahm der Einsatz von Setzkästen immer mehr ab

Viele Schriftsetzer und Drucker mussten sich einen neuen Beruf suchen. Die Tätigkeit des Setzers kann teils heute noch in historischen Druckereien oder Museen bestaunt werden. Und die Setzkästen? Sie sind noch im Einsatz, aber meistens nicht mehr an der Druckmaschine. Die erhaltenen Original-Exemplare dienen heutzutage oft Sammlern zur Aufbewahrung von Kleinstgegenständen. Wer tatsächlich noch ein „echtes“, druckereierprobtes Modell hat, sollte sich glücklich schätzen.

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Die heutigen Nachbauten haben mit den ursprünglichen Setzkästen nichts mehr zu tun

Meist sind sie aus Holz gefertigt. Manchmal werden sie durch eine Glasscheibe zur Vitrine, um die kostbaren Inhalte vor Staub zu schützen. Eines haben die vielen Nachbauten aber mit den alten Druckerei-Setzkästen gemeinsam: die vielen, meist unterschiedlich großen Fächer. Wenn ich mir den Nähkasten meiner Tante oder den Schraubenkasten meines Vaters so ansehe, erinnert er auch an einen Setzkasten. Mit Fächern, Laden und einem Deckel ausgestattet, macht es Spaß, darin zu „kramen“. Aber nichts durcheinanderbringen, bitte! Nicht nur Kinder, sondern auch erwachsene Sammler lieben es, ihre kleinen Schätze in einen Setzkasten ein- oder immer wieder umzusortieren.

Veröffentlicht am 05. August 2020 von geb.1960-69.

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