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Normaler Sekt, Kirsche oder lieber Erdbeersekt aus Kaltenburg, Katlenbrug oder Katlenburg?

Was war in den 80er Jahren Euer Nr. 1-Getränk auf Partys? Das fragten wir neulich einige, die damals auch so jung wir waren, bei einer nicht-repräsentativen Umfrage…

Was landete zu unserer Überraschung bei einigen Damen auf Rang Eins? Eine Buddel Erdbeersekt! Zumindest bei den befragten Leserinnen von geb.1960-69.de, die in Hamburg und Schleswig-Holstein groß wurden. Von einem in Hannover aufgewachsenen Mitautor erreichte uns hingegen die Meinung: "Ich sag' nur Kirsche", angelehnt an eine Mon Chéri-Werbung von damals. Auf Hannoveraner Partys kam offenbar eher der Katlenburger Kirschsekt oder -wein auf den Tisch.

Ob Erdbeer oder Kirsche, Katlenburger kam fertig aus der Flasche

Der Fruchtwein oder -sekt wurde nicht, wie heute, mit frischen Erdbeeren oder Kirschen und Schaumwein im Thermomix oder ähnlichem zubereitet… Getrunken wurde sogar oft direkt aus der Flasche. Trotzdem hatten Erdbeer- und Kirschgetränke Kultur. Denn meist wurden sie nicht mit Traubensekt hergestellt, sondern tatsächlich aus Erdbeeren gekeltert. Strawberry Secco, Cherry Secco oder so würde man das heute nennen.

Klassiker, damals wie heute – Katlenburger Erdbeer und Kirsche

Nach einigen Schlucks wurde der zwar oft, leicht angeduselt, als „Kaltenburger“ bezeichnet. Aber diese Ortsbezeichnung wurde den niedersächsischen Obstschaumwein-Profis nicht gerecht. Denn Kaltenburg ist eine einst stolze, aber heute romantisch vor sich hin modernde Burgruine auf der Schwäbischen Alb. Katlenburg hingegen liegt im Harzvorland, zwischen Osterode, Northeim und Nörten-Hardenberg. Mit Obstanbau und -verarbeitung kennt man sich hier im südöstlichen Niedersachsen aus. Auch Lütgerode, Heimat der Fruchtsaft-Mosterei von „Beckers bester“, ist nicht weit.

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In Sachen Bier und Schnaps sind zwischen Göttingen, Hildesheim und dem Harz ebenfalls Profis am Werk

Die Maibock- und Pilsstadt Einbeck liegt um die Ecke. In Einbeck hatte einst rund die Hälfte der vielen Fachwerkhäuser die Lizenz zum Bierbrauen. Aus der 80er/90er Jahre-Studentenszene in Göttingen erreichte uns die (wahrscheinlich heute noch dort vorherrschende) Meinung: Der echte, einzig wahre Maibock kommt aus Einbock, hicks. Pardon, aus Einbeck. Im nahen Nörten-Hardenberg brennen Profis einen traditionsreichen Weizenkorn. Schaut man in den für uns Westkids damals fernen Osten, sind es nicht viele Kilometer nach Schierke am Brocken. Der Harzort ist die Heimat des Schierker Feuersteins. Der feuerrote Kräuterlikör brachte im Ost-West-Vergleich so manchen Wolfenbütteler Jägermeister zur Strecke.

Mittendrin in diesem landschaftlich und alkoholisch vielseitigen Ortsviereck: Katlenburg

Seit 1925 wird in Katlenburg Obst gekeltert beziehungsweise vergoren und in Flaschen gefüllt. Zum Beispiel Fruchtweine und Obstschaumweine aus Äpfeln, Kirschen, Himbeeren und mehr. Katlenburger Erdbeerschaumwein wird direkt aus den Früchten produziert – ohne Traubensekt, wie es stolz in der Firmenchronik heißt. Das ist eben Qualität, die (maßvoll genossen!) nicht dazu führt, dass am nächsten Morgen virtuelle Kellergeister durchs Hirn tanzen. Hätten wir gewusst, welch Kultur und Kellerkunst wir da in flüssiger Form zu uns nahmen… Dann hätten wir den Erdbeersekt auf den damaligen Partys nicht nur fröhlich heruntergekippt – sondern mit etwas mehr Ruhe genossen.

Damit das hier keine Verherrlichung von jugendlichen Alkoholsünden wird:

Im beschriebenen Regionalraum liegt auch die alte Bergbaustadt Clausthal-Zellerfeld. Sie ist Namensgeber des ersten erfolgreichen Bieres ohne Alkohol! In diesem Sinne, mit Erdbeersekt oder Clausthaler alkoholfrei – Prost!

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Veröffentlicht am 18. August 2020 von geb.1960-69.

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